Aujeszkysche Krankheit (AK) beim Schwarzwild

Anlässlich eines Zeitungsberichtes über einen Nachweis des AK-Virus beim Schwarzwild im Lahn-Dill-Kreis und der getroffenen Aussage, bei Nachsuchen auf Hunde zu verzichten, möchte ich gerne fachlich dazu Stellung nehmen, um einer Verwirrung und der Panikmache etwas entgegenzuwirken.

Die AK ist eine Tierseuche, die weltweit vorkommt und durch das Suid Herpesvirus 1 (SHV 1 = Schweine-Herpes-Virus 1) verursacht wird. Die Krankheit wird oft als Pseudowut bezeichnet, weil die Symptome die der Tollwut ähneln. Die AK ist vornehmlich eine Virusinfektion bzw. -erkrankung der Schweine. Haus- und Wildscheine bilden die natürlichen Wirte (Reservoir). Ein charakteristisches Merkmal von AK-Infektionen bei Schweinen ist, dass sie nach einer Infektion das Virus ein Leben lang in sich tragen. Es „versteckt“ sich im Nervengewebe, ähnlich den menschlichen Herpesvirusinfektionen. Sie sind also lebenslang Virusträger. Fast alle Säugetiere sind empfänglich, so auch Hunde oder Katzen. Lediglich Primaten, einschließlich des Menschen, sowie Einhufer sind für das AK-Virus nicht empfänglich. Ähnlich einer Herpesvirus-Erkrankung beim Menschen kommt es unter Stressbedingungen, die zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems führen, dann zu einer Reaktivierung und Ausscheidung des Virus. Bei den im Schwarzwildbestand vorkommenden Erregern handelt es sich um hoch angepasste Virusvarianten mit einer geringen Virulenz, die keine/kaum sichtbaren Symptome beim Schwarzwild verursachen. D.h. die Infektion der Schwarzwildpopulation ist im Prinzip nicht erkennbar. Bei allen anderen Säugetieren, einschließlich Hunden und Katzen, verläuft eine Infektion mit dem Virus der AK immer tödlich. Die Symptome, insbesondere bei Fleischfressern, sind denen der Tollwut sehr ähnlich, weshalb die Viruserkrankung auch als Pseudowut bezeichnet wird. Das zentrale Nervensystem wird in kurzer Zeit sehr stark beschädigt. Deshalb treten nach einer kurzen Inkubationszeit (4–7 Tage) massive Symptome auf. Im Anfangsstadium Benommenheit und Unkoordiniertheit, die Tiere verweigern plötzlich die Futteraufnahme und werden depressiv. Gelegentlich werden permanentes Bellen bzw. Unruhe und Angst beobachtet. Die Tiere sind jedoch nicht aggressiv. Fieber tritt nicht auf. Mit Fortschreiten der Erkrankung bekommen die Tiere Atemnot und können ausgeprägtes Speicheln zeigen. Oft stellen sich gleichzeitig Schluckbeschwerden und Erbrechen ein. Später erfolgt dann der Verlust der Körperkontrolle. Kardinalsymptom ist ein starker Juckreiz („Juckpest“), meist von den Ohren ausgehend. Dieser kann so stark sein, dass die Tiere infolge Scheuerns teils Knochen blank legen oder sich selbst verstümmeln. Es gibt keinen Impfstoffe gegen AK für Hunde. Die Verfütterung von nicht erhitztem rohem Aufbruch von Schwarzwild ist eine der häufigsten Infektionsquellen für Hunde. Hunde können sich aber auch durch direkten Kontakt mit infizierten Wildschweinen infizieren (z.B. Augen- und Nasensekrete). Die Infektionsrate von Fehlwirten, wie Hunden, mit AK ist glücklicherweise relativ gering (deutschlandweit sehr wenige Einzelfälle/Jahr).

Deutschland gilt seit 2003 als frei von AK bei Hausschweinen, allerdings haben Untersuchungen ergeben, dass AK bei Wildschweinen in vielen Bundesländern (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) regional unterschiedlich nach wie vor vorkommt. In Hessen werden die Schwarzwildbestände im Rahmen des Schweinepest-Monitorings seit Längerem auch auf AK untersucht. In Südhessen, im Main-Kinzig-Kreis, Wetteraukreis, Vogelsbergkreis, Landkreis Fulda, Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Hersfeld-Rotenburg werden immer wieder AK-positive Wildschweine nachgewiesen. Das Hauptendemiegebiet im Landkreis Hersfeld-Rotenburg erstreckt sich in West-Ost-Richtung von Kathus bis Unterneurode und in Nord-Süd-Richtung von Ronshausen bis Schenklengsfeld, also ungefähr im 10 km Radius um Friedewald herum. Dort sollte man besondere Vorsicht walten lassen.

Was sollte ich generell bei der Jagdausübung mit Hunden beachten? Im Mittelpunkt steht dabei die Vermeidung direkten Kontaktes von Jagdgebrauchshunden mit möglicherweise infizierten Schweinen. Insbesondere das so genannte Schärfen von Jagdhunden beim Strecke legen oder die Nachsuche sind klassische Infektionsquellen. Leider sieht man einem erlegten Stück Schwarzwild nicht an, ob es infiziert ist und zudem noch Virus ausscheidet. Daher sollten alle erlegten Stücke Schwarzwild als potentiell infiziert betrachtet werden.

Für Nachsuchen gilt: Schweiß ist nicht ansteckend, da infektiöses Virus nicht im Blut nachweisbar ist. Das Virus breitet sich vorrangig im Nervensystem aus und gelangt so auch in die Sekrete (Nase, Tränenflüssigkeit, …). Schweiß bei der Nachsuche ist also nicht das Problem, weshalb AK-Infektionen bei Hunden relativ seltene Ereignisse sind. Allerdings können andere Pirschzeichen (z.B. Lungenschweiß am Anschuss) stark infektiös sein. Es gilt daher: Vorsicht walten lassen, wo es praktisch geht (den Kontakt zwischen Schwein und Hund auf das Notwendige beschränken). Auf Hunde bei Nachsuchen aus Sicherheitsgründen in Gebieten mit AK-Vorkommen zu verzichten, wäre weder waidgerecht noch tierschutzgerecht! Ein Restrisiko bei Nachsuchen und Stöberjagden muss man wohl oder übel in Kauf nehmen.

Bei Fragen und Anmerkungen können Sie sich gerne an mich wenden: 06621-872300 oder t.berge@hef-rof.de

gez. Dr. Thomas Berge